Victoria Platz

Viktoriaplatz

Historischer Ort der Ankunft und der Kommunikation von Zugewanderten in Athen

Kurzbeschreibung

Der Viktoriaplatz befindet sich im Athener Stadtteil Agios Pandeleimon ca. 2km nördlich der Innenstadt. Er liegt in einem Mischgebiet und zeichnet sich durch dichte Wohnbebauung und Geschäfte im Erdgeschoss, die den Platz umgeben, aus. Er wird von allen Seiten durch Straßen erschlossen, wobei die verkehrsreiche Hauptstraße 3is Septemvriou, die nach Süden über den Omonia Platz direkt in die Innenstadt führt, eine deutliche Abgrenzung des Platzes und Barriere zur westlichen Bebauung darstellt. Unmittelbar auf dem Platz liegt der Zugang zum U-Bahnhof Viktoriaplatz der U-Bahnlinie 1, die den Hafen Piräus mit der Innenstadt und den nördlichen Vororten verbindet. In der Nähe der heutigen Station lag ab 1889 ein Bahnhof der Bahnstrecke Athen-Piräus, der Anfang des 20. Jahrhunderts zum U-Bahnhof umgebaut wurde. Ferner befindet sich eine Bushaltestelle verschiedener Nord-Süd-Linien ebenso am Platz.

Im Zuge des Anstiegs der Zahl der Geflüchteten, die nach Europa migrieren, hat sich der Platz zu einem Ankunfts- und Aufenthaltsort von Geflüchteten entwickelt. Im Sommer 2015 entstand hier ein behelfsmäßiges Zeltlager, das im März 2016 von der Stadtverwaltung Athens geräumt wurde. Dennoch hat sich die Bedeutung des Platzes als Ort der Ankunft, des Informationsaustauschs und als Treffpunkt von Geflüchteten weiter erhalten. Es fällt bei der Begehung sofort ins Auge, dass der Platz vorrangig von Geflüchteten genutzt wird; Griechen und Touristen sind kaum zu finden.

VerortungFeldzugang

Die Wahl des Viktoriaplatz für die Untersuchung von Unterbringungs- und Integrationsstrukturen in Athen erfolgte durch die Aufmerksamkeit, die der Ort als „wichtigster Anlaufpunkt für Migranten in Athen“ (Martens, 2016), als Aufenthaltsraum von Geflüchteten und als „Marktplatz für Schlepper“ (Landmesser, 2016) zwischen September 2015 und März 2016 erfahren hat. Durch Vorrecherchen über die Lage der Geflüchteten in Athen konnte herausgefunden werden, dass der Viktoriaplatz ein wichtiger Treffpunkt für Geflüchtete ist und sich dort Informationen über die aktuelle Lage finden lassen würden. Daher wurde am Montag, 09.05.2016, im Rahmen einer Bestandsaufnahme und Feldanalyse der Platz aufgesucht, um die sich dort aufhaltenden Geflüchteten zu Funktion und Bedeutung des Platzes zu befragen, sowie zur allgemeinen Lage in Athen und ihren Lebensumständen. Der Zugang zum Feld und die Befragungen stellten sich zu Beginn als etwas problematisch dar, da seitens der Forschenden befürchtet wurde, in die Privatsphäre oder in die Interaktionen der Geflüchteten vor Ort einzudringen. Ferner wurden Sprachbarrieren vermutet. Im Verlauf der Analyse konnten aber letztlich aufschlussreiche Gespräche geführt werden, die im Weiteren in Form von Gedächtnisprotokollen kurz skizziert werden.

Ankunftsort – Transitraum – Zwangsdestination

Der Viktoriaplatz hat sich über mehrere Jahrzehnte zu einem Ankunftsort von Zugewanderten im Kontext verschiedener Migrationsbewegungen nach Griechenland und Athen etabliert. Bereits als Bahnhof der Vorortbahn Athen-Piräus entwickelte sich das Gebiet um den Platz zu einem Quartier des Ankommens. In den vergangen 25 Jahren wurde er von verschiedenen Migrant_innengruppen aufgesucht, wie ein befragter Kiosk-Betreiber am Platz, der sein Geschäft seit 30 Jahren betreibt, berichtet. Während in den 1990er Jahren vor allem Zugewanderte aus Polen, Bulgarien und den Balkanstaaten den Ort als ersten Anlaufpunkt nach ihrer Ankunft genutzt hätten, würde er seit den 2000er Jahren von Migrant_innen aus arabischen und afrikanischen Ländern und in den letzten Jahren vor allem von Geflüchteten aufgesucht.

Geflüchtete erreichen über die griechischen Inseln Piräus, um den Platz aufzusuchen und von dort aus ihre Weiterreise über die Balkanroute zu organisieren, wie befragte Geflüchtete mitteilen. Vor allem zwischen September 2015 und März 2016 entwickelt sich der Viktoriaplatz folglich zu einem temporären Aufenthaltsort und zum Lebensmittelpunkt von Geflüchteten, die von staatlichen Akteur_innen aus Kapazitätsgründen nicht in Asylunterkünfte aufgenommen werden (können) oder die sich „freiwillig“ – aus Vorbehalten gegenüber der Registrierung bei griechischen Behörden und aufgrund der Planung der Weiterreise – auf dem Platz niederlassen. Es entstehen von den Flüchtlingen errichtete Zeltlager. Ungefähr 500 übernachten zeitweise auf dem Platz – oftmals nur wenige Tage, manchmal bis zu mehreren Wochen.

Mit der sukzessiven Schließung der sog. Balkanroute seit Ende 2015 wird die weitere Migration von vor allem nicht-syrischen Geflüchteten erschwert. Die städtischen Arrival Infrastructures – wie bspw. staatlich verwaltete Lager, das Hafengebiet von Piräus und der Viktoriaplatz – entwickeln sich im Zuge dessen zu Zwangsdestinationen der „gestrandeten Flüchtlinge von Athen“ (Martens, 2016).

_DSC8343Städtische Regulierung, Verdrängung und polizeiliche Kontrollen

Anfang März 2016 wird der Platz von der Polizei geräumt. Die Geflüchteten werden mit Bussen abgeholt und in Asylunterkünfte, wie bspw. Eleonas, im Großraum Athen untergebracht. Die Räumung ist eine Reaktion auf die zunehmend konfliktreichen und schlechten hygienischen Zustände und auf Proteste von Anwohner_innen und ansässigen Geschäftsleuten. Gleichsam wurden in den vergangen Monaten mehr Kapazitäten in den staatlichen Unterkünften geschaffen, um Asylsuchende aufzunehmen.

Die Räumung ist aber auch – wie aus einem Interview mit dem Vize-Bürgermeister für Integration und Geflüchtete, Lefteris Papagianakis, deutlich wird – eine Konsequenz der Verstetigung des Platzes als (dauerhaften) Ort der Aufnahme von Geflüchteten, deren geplante Weiterreise durch Schließung der Balkanroute verwehrt bleibt. Papagianakis erklärt, dass die Stadtverwaltung unter Druck war, Ordnung und Sicherheit auf dem Platz herzustellen und die Anwohnerschaft zu entlasten. Das Bild eines chaotischen und ungeordneten „Lagerplatzes der Seelen“ (Alexis Tsipras in Smith, 2016) soll so aufgelöst, der Platz selbst von Geflüchteten befreit werden. Diese Annahme wird auch von den befragten Geflüchteten bestätigt. Ilyas, ein Ende 20 jähriger Afghane, erklärt, dass Zugewanderte durch diese Maßnahmen seiner Meinung nach aus dem Stadtbild entfernt werden sollen. Auch die Bedingungen in den Unterkünften, auf die die Viktoriaplatz-Flüchtlinge teilweise verteilt wurden, seien absichtlich schlecht, um die Menschen zu einer freiwilligen Rückkehr zu bewegen.

Die Räumung des Platzes ist auch mit der Verdrängung von Organisationen und Flüchtlingsinitiativen, die sich nunmehr im Umfeld niedergelassen haben, verbunden. Während der Begehung bewachen zwei Polizisten den Platz. Sie erläutern, dass es nicht mehr erlaubt ist, auf der Anlage zu nächtigen bzw. auch tagsüber zu schlafen. Zu weiteren Aussagen über die Veränderungen und über die Situation von Geflüchteten sind sie aber nicht bereit.

Der Viktoriaplatz als Teil eines Quartiers der Ankunft

Mit der Präsenz der Geflüchteten haben sich auch die Infrastrukturen und Angebote auf dem Platz und in dessen Umgebung gewandelt. Während der Besetzung waren Flüchtlingsorganisationen und Initiativen vor allem auf dem Viktoriaplatz aktiv. Durch den starken Anstieg an Geflüchteten siedelten sich ab Anfang 2016 nach und nach immer mehr NGO’s in der Umgebung des Victoria Platzes an. Veronica Paikou, eine Mitarbeiterin des Day Care Center der Caritas, beschreibt, dass sich das Quartier hinsichtlich seiner strukturellen Ausstattung zunehmend auf die Ankunft der Flüchtlinge und deren Bedürfnisse eingestellt hat. In der Umgebung des Platzes finden Geflüchtete Unterbringungs-, Toiletten- und Duschmöglichkeiten sowie Beratungsleistungen und Orte der Essens- und medizinischen Versorgung, die von verschiedenen Initiativen und Organisationen angeboten werden.

Gleichsam hebt Paikou hervor, dass sich durch den (erzwungenen) längeren Aufenthalt von Geflüchteten in Athen auch die Bedürfnisse verändert haben. Während einst vor allem kurzfristige Versorgungsangebote genutzt wurden, gäbe es mittlerweile eine zunehmende Nachfrage nach griechischen und englischen Sprachkursen. Es wird deutlich, dass sich sowohl Flüchtlinge als auch Unterstützungseinrichtungen nicht nur auf das Ankommen und die Ad hoc-Versorgung, sondern auf den langfristigen Aufenthalt und die damit verbunden Anforderungen einstellen (müssen).

Abbildung 1 verdeutlicht die Konzentration von Einrichtungen um den Viktoriaplatz, die zeigt, dass nicht nur der Platz selbst, sondern auch das Viertel sich zu einem Quartier der Ankunft entwickelt hat.

_DSC8373Ort des Austauschs und der Hoffnung

Die Regulierungsmaßnahmen haben dazu beigetragen, dass der Platz insgesamt befriedeter und „aufgeräumter“ wirkt. Es halten sich weiterhin Geflüchtete, einzeln oder in kleinen Gruppen, auf dem Platz auf, die sich vor allem an den schattigen Rändern konzentrieren. Helfer_innen und Initiativen sind während der Bestandsaufnahme nicht präsent, jedoch ist die Anwesenheit der Polizisten sowie der Simkartenverkäufer deutlich erkennbar. Auf dem Platz befinden sich zudem mehrheitlich Männer.

In den Befragungen mit Geflüchteten wird deutlich, dass der Ort für sie vornehmlich ein Aufenthaltsraum und ein Treffpunkt darstellt. Der Viktoriaplatz sei der Ort, an dem sich 1) ankommende Flüchtlinge treffen und in die Stadt eintreten und 2) ein Ort, an dem sich die Geflüchteten aus den Lagern tagsüber zusammenfinden, um in Kontakt zu treten, Erfahrungen auszutauschen aber auch um Informationen für Unterstützungen und Beratungen weiterzugeben. Erkennbar wird darüberhinaus auch, dass Geflüchtete weiterhin den Platz mit der Hoffnung auf Informationen zur Weiterreise aufsuchen.

Der Viktoriaplatz hat sich damit als stadträumliches Symbol der Zuwanderung und des Ankommens über die Athener Stadtgrenzen hinaus etabliert. Paikou von der Caritas merkt an, dass Geflüchtete bereits zu Beginn ihrer Flucht über den Viktoriaplatz und dessen Funktion informiert sind und dass sie dort Informationen zur Weiterreise, Kontakte zu Schleusern, Unterstützung und Versorgung über „Mundpropaganda“ erhalten würden. Doch auch über die Ankunft und über die ersten Erfahrungen in Athen hinaus hat sich der Platz im Gedächtnis der Zugewanderten als Ort städtischer Teilhabe, der vielfältige Möglichkeiten der Versorgung, Kommunikation und Anknüpfungspunkte an bestehende migrantische (Infra-)Strukturen bietet, entwickelt. Die historische Bedeutung des Viktoriaplatzes als Zugang zu urbanen Ressourcen, Kontakten und Infrastrukturen hat sich trotz stetiger Umdeutungs- und Transformationsprozesse bis heute manifestiert.

_DSC8363Gedächtnisprotokolle zu den Befragungen am Viktoriaplatz

Abbas

Das Gespräch mit dem Syrer Abbas verläuft aufgrund sprachlicher Barrieren zunächst holprig. Doch bietet er an, Fragen und Antworten mithilfe seines Smartphones zu übersetzen. Der Mann mittleren Alters sitzt rauchend mit einem Freund auf einer Bank auf dem Platz, ist gut gekleidet, trägt eine Sonnenbrille der Marke Armani, ist frisch rasiert und macht einen insgesamt sehr gepflegten Eindruck. Er erzählt, er nutze den Platz als Treffpunkt, lebe zur Zeit in einer Wohnung in der Nähe und warte auf einen weiteren Freund. Sein Heimatland hat er wegen des Bürgerkriegs verlassen. Geflüchtet ist er zunächst über die Türkei nach Athen, wo er sich sich seit 50 Tagen aufhält. In nächster Zeit hofft er, über die Mazedonische Grenze nach Deutschland zu emigrieren, wo seine Familie bereits lebt.

Mansour

Die Person die wir zuerst ansprechen, spricht kein Englisch, ruft aber den nahestehenden Mansour zu uns, der in Afghanistan als Übersetzer gearbeitet hat und deshalb gut Englisch spricht. Seit 3 Monaten steckt Mansoor und seiner Frau und einer befreundeten Familie in Athen fest, errzählt er uns. Eigentlich wollte er nach seiner 2,5 monatigen Odyssee von Afghanistan nach Athen gleich weiter nach Deutschland reisen, doch dann wurden die Grenzen dicht gemacht. Er wurde zwar bei seiner Ankunft registriert, jedoch ohne Aufnahme von Fotos oder Fingerabdrücken. Er berichtet, dass der Victoriaplatz für ihn ein wichtiger Austauschsort ist, an dem er auf neue Information über Weiterreise wartet oder versucht Arbeit zu finden. Von der Regierung erhält er keinerlei Informationen, allerdings verfolgt er die Nachrichten über Ntv, BBC und andere Nachrichtensender.

Momentan wohnt Mansoor in einem vom Militär unterhaltenen Camp in Elleniko, das sich auf einem ehemaligen Flughafen/Olympiagelände befindet. Dort werden Geflüchtenen in Zelten untergebracht, die jeweils eine Kapazität von 200 Menschen haben. Diese heizen sich bei den derzeitigen Temperaturen stark auf, weshalb er dort möglichst wenig Zeit verbringt und die Möglichkeit nutzt, kostenfrei mit der Metro in die Stadt zu fahren, was etwa 40 Minuten dauert. Er ist hoffnungsvoll, dass die „legale Migration“ nach Deutschland bald wieder möglich sein wird und er sich dort ein Leben aufbauen kann, was seiner Meinung nach in einem so armen Land wie Griechenland nicht möglich ist. 3000 Euro für einen Schmuggler zu bezahlen, kommt für ihn nicht in Frage.

Er läd uns ein, das Camp zu besichtigen und gibt uns seine Telefon-Nummer.

_DSC8360Ilyas

Ilyas kommt aus Afghanistan, ist ungefähr Ende 20, hat ein gepflegtes Aussehen und spricht sehr gutes Englisch. Als wir ihn ansprechen, lehnt er gerade an einem der Bäume auf dem Platz. Wir begrüßen ihn und einen Mann, der neben ihm steht und stellen uns vor.

Ilyas erzählt uns etwas über die Situation am Victoria Platz. Vor zwei Monaten sah der Platz noch ganz anders aus, Menschen haben hier gecampt und viele NGO’s waren präsent und verteilten Lebensmittel und Kleidung. Seit dem das EU-Türkei Abkommen in Kraft getreten ist, dürfen sich auf dem Platz keine NGO’s mehr aufhalten und niemand darf dort übernachten. Die NGO’s sind nun hauptsächlich vor Ort in den verschiedenen Unterkünften präsent.

Wir fragen ihn ob er denkt, dass diese Maßnahme Geflüchtete von diesem Ort fernhalten soll. Dies bejaht er und fügt hinzu, dass er der Meinung ist, dass die Regierung Geflüchtete nicht nur aus dem Stadtbild entfernen will, sondern auch die Bedingungen in den Flüchtlingsunterkünften absichtlich schlecht hält um die Menschen zu einer freiwilligen Rückkehr zu bewegen.

Für Geflüchtete, die ein Camp aufgrund der katastrophalen Bedingungen verlassen, gibt es keine Möglichkeit in einem anderen Camp unterzukommen, sie müssen vorübergehend auf der Straße leben. Wer es sich jedoch leisten kann, sucht sich selbstständig ein Apartment.

Ilyas erzählt uns, dass er sich in dem Camp, in dem er wohnt, wie in einem Gefängnis fühlt. Deshalb kommt er so oft es ihm möglich ist zum Victoria Platz, einem öffentlichen Raum, wo er Freunde treffen kann, sich austauscht und der Tristesse im Camp entkommen kann.

Im weiteren Verlauf des Gesprächs erzählt uns Ilyas, dass die Geflüchteten nun in Griechenland festsitzen. Er ist genau an dem Tag, als die Grenzen geschlossen wurden, in Griechenland angekommen. Da er es sich nicht leisten kann für 3000 Euro einen Schlepper zu engagieren, der ihn über Italien weiterbringt, hat er bereits mehrere Male versucht einen Asylantrag in Athen zu stellen. Dies ist momentan nur über Skype möglich, allerdings hat dort bis jetzt noch niemand seinen Anruf entgegen genommen. Er fügt hinzu, dass die Situation für Syrer_innen anderes aussieht, weil für sie größere Chancen bestehen in einem anderen europäischen Land Asyl zu erhalten. Trotz der schlechten Bedingungen in den Unterkünften in Athen erzählt er uns, dass er es gut findet, dass die Menschen aus Idomeni nun auf die neu entstanden Notunterkünfte verteilt werden, da die Lebensbedingungen in Idomeni noch viel schlimmer sind.

Das gesamte Gespräch über war Ilyas uns gegenüber sehr offen und herzlich, mit einem Lächeln auf den Lippen.

_DSC8350Caritas

Da wir am Montag noch nichts über die NGO´s herausfinden konnten, die sich laut unserer Recherche angeblich auf dem Platz befinden sollten, haben wir am Mittwoch den Platz erneut aufgesucht und nach NGO´s Ausschau gehalten, die sich nicht auf dem Platz direkt aufhalten, aber in einigen der Seitenstraßen, um auch diese um eine Einschätzung der aktuellen Lage zu bitten.

Durch etwas Recherche im Internet konnten wir herausfinden, dass sich in der Nähe vom Victoria Platz das Day Care Center von der Caritas befindet. Das Center befindet sich in einem Wohnhaus in einer ruhigen Fußgängerzone.

Obwohl wir uns vorher nicht angekündigt hatten, wurden wir freundlich begrüßt und von Veronica Paikou, der Leiterin des Centers hereingebeten. Wir stellten uns kurz vor und stellten einige Fragen zur Situation am Victoria Platz.

Sie erzählte uns, dass der Platz schon immer ein Treffpunkt, vor allem für Migrant_ innen, gewesen sei. Durch den starken Anstieg an Geflüchteten siedelten sich vor Allem ab Anfang 2016 nach und nach immer mehr NGO’s in der Umgebung des Victoria Platzes an, so auch das Day Care Center der Caritas.

Die Geflüchteten, die zum Victoria Platz kommen, wüssten meist bereits zu Beginn ihrer Flucht, dass sie am Victoria Platz erste Informationen und Unterstützung erhalten. Auch der Kontakt zu Schleusern könne dort hergestellt werden. Über Mundpropaganda erfahren die meisten Geflüchteten von den verschiedenen Centern in der Umgebung. Dort haben sie die Möglichkeit zu duschen, da in den meisten Unterkünften kaum oder keine Duschen vorhanden seien, es gibt’s verschiedene Beratungsangebote, Internetzugang, Essen und Trinken, Toiletten, die Möglichkeit sich auszuruhen und medizinische Versorgung.

Veronica Paikou erzählt uns, dass am Tag ungefähr 100 Personen ins Caritas Center kommen. Seit dem EU-Türkei Abkommen hat sich die Nachfrage etwas geändert. Inzwischen würden viel Menschen auch nach griechischen und englischen Sprachkursen fragen und langfristige Angebote beanspruchen, wohingegen zuvor die Besucher der Caritas meistens auf der Durchreise waren und nur nach einer Dusche oder etwas zu Essen gefragt haben. Sie erzählt uns, dass die Athener Regierung ebenfalls plant griechisch Unterricht anzubieten und sich zum Ziel gesetzt hat, dass spätestens im nächsten Jahr alle Kinder einen Schulplatz erhalten sollten. Allerdings kann sie sich nicht vorstellen, wie das funktionieren soll.

Am Ende fragen wir sie noch, ob es Proteste am Victoria Platz gab. Daraufhin berichtet sie uns von Protesten die sich auf Grund der Räumung des Platzes entwickelten, diese verliefen allerdings friedlich, ebenso wie die Räumung.

Verortung NGO´s

NGO´s

 

Greenpark

Der Greenpark ist Teil der Grünanlage Pedion Areos. Er befindet sich nördlich der Innenstadt, 150m westlich des Viktoriaplatzes.

Der von Mauern und Zäunen klar abgetrennte Park ist weitläufig angelegt und scheint ursprünglich großzügig und prachtvoll gestaltet: Die Grünflächen werden von breiten Alleen und kleineren geschwungenen Wegen durchzogen, welche von Statuen und Marmorbüsten gesäumt sind.

Jedoch befindet sich der Park in einem äußerst verwahrlosten Zustand. Es werden offen Drogen konsumiert und die Grünflächen augenscheinlich als behelfsmäßige Übernachtungsmöglichkeiten genutzt. Viele der sich dort aufhaltenden Menschen sind Geflüchtete. Der Park hebt sich deutlich von der Umgebung ab und wirkt als würden dort rechtsfreie Zustände herrschen.

Links zum Greenpark, die interessant sein könnten:

http://www.aljazeera.com/blogs/europe/2015/09/sad-fate-pedion-areos-dual-greek-crises-150921150513403.html

http://www.asylumineurope.org/news/01-03-2016/greece-pedion-tou-areos-refugees-relocated-open-reception-centre-votanikos

http://www.ekathimerini.com/198415/article/ekathimerini/community/pedion-tou-areos-the-epitome-of-greek-mismanagement

und Background-Infos: https://en.wikipedia.org/wiki/Pedion_tou_Areos

Quellen

Landmesser, Wolfgang (2016): Gestrandete Flüchtlinge in Athen –

Marktplatz für Schlepper. In: https://www.tagesschau.de/ausland/fluechtlinge-idomeni-101.html, letzter Zugriff: 11.05.2016.

Martens, Michael (2016): Und alle warten auf Merkel. In: http://www.faz.net/aktuell/politik/fluechtlingskrise/die-gestrandeten-fluechtlinge-von-athen-14098075.html, letzter Zugriff: 11.05.2016.

Smith, Helena (2016): Ort der fremden Seelen. In: https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/ort-der-fremden-seelen, letzter Zugriff: 11.05.2016.